Die Geschichte der Transferware – Warum ich mich immer wieder neu in diese Keramik verliebe...
- olgavonpreuschen
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Aktualisiert: vor 1 Tag

Beim Dekorieren mit Vintage-Schätzen ist die Suche oft schon die halbe Freude. Wer gerne über Flohmärkte schlendert, in Antiquitätenläden stöbert oder online nach besonderen Stücken sucht, kennt dieses Gefühl: Man entdeckt etwas, das sofort eine Geschichte zu erzählen scheint.
Genau deshalb liebe ich Transferware so sehr. Denn hinter diesen scheinbar „einfachen“ Tellern und Platten steckt eine faszinierende Geschichte, die das Sammeln noch erfüllender macht.
Transferware ist nicht nur dekorativ – sie ist ein Stück Kulturgeschichte, das bis heute unseren Alltag, unsere Tische und unsere Wohnräume bereichert.

Was ist Transferware?
Als Transferware bezeichnet man eine spezielle Technik zur Verzierung von Keramik. Das Besondere daran: Die Motive werden nicht von Hand aufgemalt, sondern mithilfe eines Druckverfahrens auf das Geschirr übertragen.
Dafür wird zunächst eine Kupferplatte von Hand graviert und anschließend mit Farbe eingefärbt. Der Abdruck wird auf feuchtes Seidenpapier übertragen, das dann sorgfältig auf ein noch ungebranntes Keramikstück – meist Porzellan oder Steingut – aufgelegt wird.
Nach mehreren Arbeitsschritten und dem Brennen im Ofen entsteht das typische, detailreiche Druckbild, das wir heute sofort mit Transferware verbinden.
Kleine Unregelmäßigkeiten, leichte Verschiebungen oder sanfte Farbverläufe machen jedes Stück einzigartig – und genau das liebe ich daran.
Transferware gibt es in vielen Formen: Teller, Platten, Tassen, Schüsseln, Serviergeschirr und sogar dekorative Wandteller. Die Bandbreite reicht von einfachen Souvenir-Tellern bis hin zu seltenen, hochwertigen englischen Stücken aus dem 18. Jahrhundert.

Die Anfänge der Transferware im 18. Jahrhundert
Die Geschichte der Transferware beginnt um 1760 in der englischen Region Staffordshire, einem der bedeutendsten Zentren der Keramikherstellung. Zu dieser Zeit war handbemaltes Porzellan ein Luxusgut, das sich nur wohlhabende Haushalte leisten konnten. Die neue Transfertechnik veränderte alles.
Durch das Drucken der Motive konnten Keramikstücke schneller, günstiger und in größeren Stückzahlen produziert werden. Plötzlich war dekoratives Geschirr nicht mehr nur der Oberschicht vorbehalten, sondern auch für das aufstrebende Bürgertum erschwinglich. Transferware wurde zu einem Symbol für Fortschritt, Industrialisierung und den Wunsch nach Schönheit im Alltag.
Die ersten Stücke waren fast ausschließlich in der heute ikonischen blau-weißen Farbgebung gehalten – stark inspiriert vom chinesischen Porzellan, das in Europa hoch geschätzt wurde.
Farben, Motive und ihre Bedeutung
Mit der wachsenden Beliebtheit entwickelte sich Transferware stetig weiter. Im 19. Jahrhundert kamen neue Farben hinzu: Rot, Grün, Mulberry (ein violett-brauner Ton), Rosa und Gelb. Jede Farbe hatte ihren eigenen Charakter und wurde oft mit bestimmten Motiven kombiniert.
Auch thematisch wurde Transferware immer vielfältiger.
Besonders beliebt waren:
romantische Landschaften und idyllische Szenen
historische Ereignisse und Stadtansichten
amerikanische Motive und patriotische Darstellungen
chinoiserie-inspirierte Designs
florale und botanische Muster
Viele dieser Motive spiegeln den Zeitgeist wider – Fernweh, Fortschrittsglauben und die Sehnsucht nach einer idealisierten Welt.

Berühmte Muster und Hersteller
Einige Transferware-Muster sind bis heute weltberühmt und werden leidenschaftlich gesammelt.
Allen voran Blue Willow, eines der bekanntesten Designs überhaupt, das eine romantische Legende erzählt. Ebenfalls sehr beliebt sind Blue Italian von Spode mit seinen mediterranen Landschaften und Blue Fluted von Royal Copenhagen, ein zeitloser Klassiker.
Diese Muster zeigen, wie kunstvoll und erzählerisch Transferware sein kann – jedes Stück wirkt fast wie ein kleines Fenster in eine andere Zeit.

Warum Transferware heute wieder so beliebt ist
In einer Welt voller Massenproduktion sehnen sich viele von uns nach Dingen mit Seele. Genau hier kommt Transferware ins Spiel. Sie passt perfekt in moderne Landhausküchen, Vintage-Interieurs und sogar in minimalistische Einrichtungen als bewusster Kontrast.
Ich liebe es, alte Transferware mit modernen Elementen zu kombinieren: ein einzelner Teller an der Wand, eine Platte als Blickfang auf dem Esstisch oder eine kleine Sammlung in der Vitrine. Transferware erzählt Geschichten – und genau das macht sie so besonders.
Mein persönlicher Sammel-Tipp
Wähle, was dich wirklich anspricht. Vielleicht ist es eine bestimmte Farbe, ein Motiv oder einfach ein Teller, der dich nicht mehr loslässt.
Genau so beginnt oft eine Sammlung – ganz unbewusst und mit viel Herz. Transferware ist für mich mehr als Dekoration. Sie ist ein Stück Geschichte, das weiterlebt – auf unseren Tischen, in unseren Küchen und in unseren Geschichten.

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